Selig sind die Trauernden
"Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden."
Das klingt auf den ersten Blick seltsam. Trauern - und trotzdem selig?
Jesus sagt nicht: "Halt durch, irgendwann wird es besser." Er sagt: Die, die Leid tragen, sind jetzt selig. Das ist kein Trost für später. Das ist eine Aussage über jetzt.
Trauer ist keine Schwäche
Es gibt einen verbreiteten Reflex - auch in Gemeinden. Schnell weitermachen. Loben, obwohl es wehtut. Funktionieren, obwohl man am Boden ist. Doch so funktioniert das Reich Gottes nicht.
Jesus lobt genau die, die nicht funktionieren. Die, denen das Leben wirklich schwer ist. Er redet den Schmerz nicht klein. Er sagt aber: Ihr seid gesehen. Und Gott selbst wird euch trösten.
Das ist keine passive Vertröstung. Das ist eine Verheißung.
Wer spürt, dass etwas nicht stimmt
Es gibt noch eine andere Dimension. Trauernde sehen oft klarer als andere. Sie spüren den Unterschied zwischen dem, wie die Welt ist - und wie das Reich Gottes sein sollte.
Wer um Ungerechtigkeit trauert. Wer sich nach Heilung sehnt. Wer den Schmerz dieser Welt nicht einfach wegschiebt - der lebt mit einer Sehnsucht, die Gott kennt.
Jesaja (Kapitel 61) sagt: Gott schickt seinen Geist, um die Trauernden zu trösten. Schmuck statt Asche. Freudenöl statt Traurigkeit. Das ist kein frommer Spruch - das ist die Umkehrung der Verhältnisse.
Und der Trost kommt
"Sie sollen getröstet werden." Im Griechischen steht das im Passiv. Das bedeutet: Gott ist derjenige, der handelt. Wir müssen den Trost nicht organisieren. Wir dürfen ihn empfangen.
Das ist manchmal das Schwerste.
Ich frage mich selbst manchmal: Lasse ich wirklich zu, dass Gott mich tröstet? Oder halte ich die Trauer auf Abstand - weil es sich seltsam anfühlt, zu weinen und gleichzeitig zu glauben?
PS: Die Verheißung dieser Seligpreisung ist Trost. Nicht dass alles gelöst wird. Sondern dass man getröstet wird. Und am Ende wird Gott alle Tränen abwischen und alles Zerstörte wiederherstellen - das ist die Hoffnung, auf die wir zuleben. (Offenbarung 21,4)

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