Selig sind die

Die Seligpreisungen · 4 von 7

Selig sind die nach Gerechtigkeit Hungernden

Matthäus 5,6 · Johannes Dappen Lesezeit: ca. 3-4 Minuten
Matthäus 5,6 (NLB)

"Glücklich sind die, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn sie werden sie im Überfluss erhalten."

Das klingt seltsam, oder? Hunger und Durst werden normalerweise nicht als Glück beschrieben.

Aber genau das sagt Jesus: Wer nach Gerechtigkeit hungert und dürstet - der ist glücklich.

Was meint Jesus mit Gerechtigkeit?

Das griechische Wort Dikaiosynē lässt sich nicht einfach übersetzen. Es umfasst beides: die innere Ausrichtung eines Menschen auf Gott - und den Einsatz für Recht in der Welt.

Man kann das nicht auseinandernehmen. Wer innerlich nach Gottes Willen hungert, wird irgendwann auch außen tätig. Und wer Ungerechtigkeit in der Welt bekämpft, braucht dafür eine innere Quelle.

Der Hunger kommt nach der Leere

Diese Seligpreisung steht nicht zufällig an vierter Stelle. Erst kommen die Armen im Geist. Dann die Trauernden. Dann die Sanftmütigen. Menschen, die sich entleert haben - von Selbstüberhebung, von eigenen Agenden, von der Illusion, es selbst im Griff zu haben.

Und erst dann: der Hunger.

Das ergibt Sinn. Wer innerlich voll ist - voll von sich selbst, voll von eigenen Plänen - hat keinen Appetit auf mehr. Hunger entsteht aus Leere.

Hunger ohne Burnout

Es gibt eine Gefahr: Wer nach Gerechtigkeit strebt, kann sich verausgaben. Der Hunger wird zum Projekt, das man erledigen muss.

Aber Jesus sagt nicht: Glücklich ist, wer die Gerechtigkeit schafft. Er sagt: Glücklich ist, wer hungert.

Der Hunger selbst ist das Zeichen. Nicht die Leistung. Das bewahrt uns davor zu glauben, wir müssten das Reich Gottes im Alleingang herbeiführen.

Die Verheißung

"Sie sollen satt werden."

Was bedeutet das konkret? Nicht unbedingt, dass alle Probleme gelöst sind. Sondern dass Gott uns mitten im Hunger seinen Frieden schenkt - seinen Shalom.

So ist das eben im Reich Gottes: Wer nach Gerechtigkeit hungert, findet bereits im Suchen und Sehnen eine Gemeinschaft mit Christus. Die Sättigung beginnt nicht erst am Ende. Sie beginnt jetzt - in dem Moment, wo wir ehrlich benennen, dass die Welt nicht ist, wie sie sein sollte, und uns gleichzeitig an Gott festhalten.

Dieser Hunger ist kein Zeichen von Gottverlassenheit. Er ist der Raum, in dem Gott uns begegnet. Und am Ende wird Gott alles recht machen - vollständig, endgültig, ohne Rest. Bis dahin: Der Hunger selbst nährt uns schon. Weil wir dabei nicht alleine sind.

Quellen: AJ Swoboda & Nijay K. Gupta, "Slow Theology" Podcast, Folge 92 · D.A. Carson, The Expositor's Bible Commentary (Matthäus 5,6) · Jon Courson, Application Commentary (Matthäus 5,6)

✏️ Wonach hungerst du gerade - innerlich und in der Welt? Teile gerne deine Gedanken in den Kommentaren!

Die Serie wird fortgesetzt - eine Seligpreisung nach der anderen.

Bilder: Canva KI / Snappages CDN

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