Selig sind die Barmherzigen

Die Seligpreisungen · 5 von 7

Selig sind die Barmherzigen

Matthäus 5,7 · Johannes Dappen Lesezeit: ca. 3-4 Minuten
Matthäus 5,7 (NLB)

"Glücklich sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erfahren."

Jesus fährt fort. Und er nennt etwas, das ich für eines der wichtigsten Dinge im Reich Gottes halte: Barmherzigkeit.

Das klingt erst simpel. Aber wenn ich ehrlich bin - und ich möchte hier ehrlich sein - dann habe ich in meinem Leben als Gläubiger auch viel Unbarmherzigkeit erlebt. Unter Christen. In Gemeinden. Und sicher auch in mir selbst.

Umso wichtiger, dass wir uns diesem Wort neu stellen.

Was ist Barmherzigkeit?

Gott selbst beschreibt sich so. In Exodus steht: Der HERR ist barmherzig und gnädig. Das ist nicht eine nette Eigenschaft unter vielen - das ist, wer Gott ist.

Und in Jesus wird das sichtbar. In der Art, wie er mit denen umgeht, die weit von Gott entfernt sind. Wie er mit seinen Jüngern umgeht. Wie er Menschen begegnet, die sonst keiner ansieht.

Barmherzigkeit ist kein weiches Gefühl. Sie ist eine Entscheidung. Das griechische Wort eleēmōn ist eher ein Verb als ein Adjektiv - barmherzig sein, nicht nur barmherzig fühlen. Barmherzigkeit muss praktisch werden. Immer.

Was hat das mit den anderen Seligpreisungen zu tun?

Diese Seligpreisung steht nicht zufällig an dieser Stelle. Zuerst kamen die, die innerlich arm sind - die erkannt haben: Ich brauche Erlösung. Bei den Trauernden geht es um den Schmerz, den wir nicht kleinreden. Bei den Sanftmütigen um Macht, die unter Kontrolle ist. Bei denen, die nach Gerechtigkeit hungern, um die Sehnsucht nach einer besseren Welt.

Und jetzt: die Barmherzigen.

Wer selbst Gottes Barmherzigkeit erfahren hat, wer weiß, dass er gerettet wurde - der kann die Not des anderen sehen. Nicht weil er so gut ist. Sondern weil er weiß, was es bedeutet, selbst auf Erbarmen angewiesen zu sein.

J.R.R. Tolkien hat das auf seine Weise erzählt: Bilbo hatte einmal die Chance, Gollum zu töten. Er tat es nicht. Aus Mitleid. Aus Barmherzigkeit. Und genau dieser Moment rettet am Ende das Schicksal von Mittelerde. Tolkien wusste: Barmherzigkeit hat Gewicht. Sie verändert alles.

Die Verheißung

"Sie werden Barmherzigkeit erfahren."

Das ist keine Rechnung: Ich bin barmherzig, also bekomme ich etwas zurück. Es ist tiefer als das.

Wer Gottes Barmherzigkeit wirklich empfangen hat, gibt sie weiter - unweigerlich. Und wer sie weitergibt, lebt schon jetzt in einer anderen Wirklichkeit. Im Reich Gottes.

Augustinus hat es so ausgedrückt: Wir sind alle Bettler vor Gott. Wer einem anderen Bettler Hilfe verweigert, sollte sich fragen: Wie soll Gott mich als Bettler behandeln?

Das trifft.

Was bedeutet das für mich - und für uns?

Ich frage mich: Wie barmherzig bin ich wirklich? Nicht als Idee - sondern in meinem Alltag. Mit den Menschen, die mir nahestehen. Mit denen, die mir fremd sind.

Lass uns neu von Gottes Barmherzigkeit anstecken lassen. Und dann die barmherzigsten Menschen sein - denen gegenüber, die Jesus noch nicht kennen. Und genauso denen gegenüber, die Teil unserer Gemeinschaft geworden sind.

Quellen: AJ Swoboda & Nijay K. Gupta, "Slow Theology" Podcast (Seligpreisungen-Serie) · D.A. Carson, The Expositor's Bible Commentary (Matthäus 5,7) · Jon Courson, Application Commentary (Matthäus 5,7)

✏️ Wo bist du schon einmal Barmherzigkeit begegnet - oder hast sie selbst erfahren? Teile gerne deine Gedanken in den Kommentaren!

Die Serie wird fortgesetzt - eine Seligpreisung nach der anderen.

Bilder: Canva KI / Snappages CDN

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